Lost ist nun mehr oder weniger vorbei - Fragen sind noch offen und Ideen sind gewünscht. qu4d hat sich dazu ein paar Gedanken gemacht und möchte mit der folgenden Theorie zeigen, wie leicht man aber aus den Puzzlestücken eine Lösung zaubern kann. Achtung, Spoiler zum Finale.

Catch a Falling Star and Put It in Your Pocket

Catch a Falling Star wurde 1957 zum letzten Nummer 1 Hit des Sänger von Perry Como - in der Serie LOST wurde es zum am häufigsten verwendeten Song und sein Einsatz ist unverkennbar. Schaut man einmal genau auf den Text, fallen einem doch einige Wörter auf, die eine tiefere Bedeutung haben könnten, als man zunächst annehmen würde.

Catch a falling star and put it in your pocket
Never let it fade away
Catch a falling star and put it in your pocket
Save it for a rainy day

For when your troubles start multiplyin’
And they just might
It’s easy to forget them without tryin’
With just a pocketful of starlight

Falling Star, Pocket, Starlight... All das kann man auf die Insel anwenden und auf einfachste Art und Weise miteinander kombinieren. Die zu erläuternde Annahme lautet daher: Die Macht der Insel hat seinen Ursprung in den tiefen des Weltalls und rührt daher, dass vor langer langer Zeit einst ein Meteorit vom Himmel fiel und auf der Insel landete. Die Insel selbst bildete somit für ihn eine Tasche, die ihn auffing und tief im inneren verschloss. Einzig durch kleine Risse in der Oberfläche kann man den Stern noch leuchten sehen - das Sternenlicht.

Claire: Do you know "Catch a Falling Star"? It's a song, like a lullaby.
Eileen: "Catch a falling star and put it in your pocket."
Claire: My dad used to sing that to me when I was little. Do you think you could sing it to the baby once in a while?
Eileen: Of course.

Der Stern selbst wäre eine Erklärung für die besonderen magnetischen Eigenschaften der Insel, da Sterne wie viele andere Himmelskörper einen metallischen Kern haben - wie auch die Erde, die bekanntermassen auch ein mehr oder minder starkes Magnetfeld aufweist. Meteoriten werden bei ihrem Fall durch die Erdatmosphäre abgebremst und dabei an der Oberfläche erhitzt und geschmolzen, während sie in ihrem Inneren kühl bleiben und dadurch nicht verändert werden. Bildungsort der Meteoriten ist unser Sonnensystem und sie ermöglichen uns wertvolle Einblicke in dessen Frühzeit. Berichte über vom Himmel gefallene Steine gibt es seit frühester Zeit. So berichtet etwa der griechische Schriftsteller Plutarch über einen schwarzen Stein, der etwa 470 v. Chr. in Phrygien gefallen sein soll. Dieser Meteorit wurde im Namen der Göttin Kybele verehrt, bis er nach der Übernahme des Kybele-Kultes durch die Römer (die sie Magna Mater deum Idea nannten) im Jahr 204 v. Chr. in einer großen Prozession nach Rom gebracht wurde, wo er weitere Jahrhunderte verehrt wurde. Meteoritisches Eisen wurde schon vor der eigentlichen Eisenzeit zur Herstellung von Kultgegenständen, Werkzeugen und Waffen benutzt. So wurden etwa in einem kleinen Gräberfeld aus der Zeit von 3500 bis 3000 v. Chr. bei der ägyptischen Siedlung Gerzeh Eisenperlen mit einem Nickelgehalt von 7,5 Prozent gefunden, was den meteoritischen Ursprung nahe legt. Eine Dolchklinge wurde auch in der Grabkammer des Pharaos Tutanchamun gefunden. Ob es sich tatsächlich um Meteoriteneisen handelt, konnte bis heute nicht wissenschaftlich bewiesen werden.

Pockets, also kleine Taschen, wurden oft zur Bezeichnung der elektromagnetischen Energie verwendet - zum Beispiel von Eloise Hawking und Stuart Radzinsky.

Eloise: The room we're standing in was constructed years ago over a unique pocket of electromagnetic energy.

Stuart: We hit the pocket!

Das Licht des Meteoriten spielte dabei eine ebenso wichtige Rolle und wurde als Herz der Insel gedeutet.

MOTHER: Don't go in there.
BOY IN BLACK: What's down there?
MOTHER: Light. The warmest, brightest light you've ever seen or felt. And we must make sure that no one ever finds it.
BOY IN BLACK: It's beautiful...

Ein weiteres Indiz für einen ausserirdischen Einfluss liefert ein Interview von Jimmy Kimmel mit Damon und Carlton.

Kimmel: Is everyone on the island from planet Earth?
Cuse: [long pause] Yes. That may be one of the best Lost questions we've ever been asked.
Lindelof: When you get asked questions like that, you have to be very careful how you answer.

Man beachte die Wortwahl, auf die sie selbst hinweisen. Die geschickte Antwort impliziert natürlich nicht zwangsweise, dass es einen starken Meteoriten gegeben haben muss. Gefestigt wurde nur die Tatsache, dass alle Personen von der Erde kommen - auf Objektive ging man nicht ein.

Doch auch diesen wissenschaftlichen Ansatz kann man aus einem religiösen Standpunkt betrachten - oder vielleicht gar untermauern. Ein Blick in die Bibel zeigt folgenden Abschnitt: Offenbarung 9, Vers 1-3
Da stieß der fünfte Engel in seine Posaune. Ich sah einen Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen war. Dieser Stern hatte den Schlüssel zum Abgrund der Hölle. Er öffnete den Abgrund, und heraus quollen Rauch und beißender Qualm wie aus einem riesigen Schmelzofen. Die Luft war vom Rauch so verpestet, dass man die Sonne nicht mehr sehen konnte. Aus dem Rauch quollen Heuschrecken und überfielen die Erde. Ihre giftigen Stiche waren bösartig und schmerzhaft wie die von Skorpionen.

Ist die Insel die Hölle?

Auch wenn von manchen Charakteren öfters mit diesem Gedanken gespielt wurde - nein, die Insel ist nicht die sprichwörtliche Hölle. Doch die Hölle selbst kann man damit noch nicht ganz vom Tisch kehren. Dafür möchte ich noch einmal auf folgendes Bibelzitat hinweisen:

Da stieß der fünfte Engel in seine Posaune. Ich sah einen Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen war. Dieser Stern hatte den Schlüssel zum Abgrund der Hölle. Er öffnete den Abgrund, und heraus quollen Rauch und beißender Qualm wie aus einem riesigen Schmelzofen. Die Luft war vom Rauch so verpestet, dass man die Sonne nicht mehr sehen konnte. Aus dem Rauch quollen Heuschrecken und überfielen die Erde. Ihre giftigen Stiche waren bösartig und schmerzhaft wie die von Skorpionen.

Zudem aus der Offenbarung 9 - Vers 11:
Als König herrschte über sie ein Engel der Hölle. Die Juden nennen ihn Abaddon, bei den Griechen heißt er Apollyon. Das bedeutet: Zerstörer.

Abaddon? Den kennt man doch. Matthew Abaddon. Ein Hinweis?

Unter dieser Prämisse wäre die Insel nicht die Hölle selbst - auf ihr würde sich nur der Zugang zu ihr befinden, wofür es wiederum auch einige Indizien gibt. Wirklich angefangen hat es dabei mit der Bezeichnung des Rauchmonsters als Cerberus - dem Höllenhund aus der griechischen Mythologie, der den Eingang zur Unterwelt bewacht. Hinzu kamen die Hieroglyphen auf dem Countdowntimer in der Swan-Station, die übersetzt Underworld bedeuten. Sollte das etwa bedeuten, dass sich die tatsächliche Hölle auftun würde, wenn man die Energie nicht entweichen lassen würde? Bereits in der dritten Staffel gab es dazu eine Äusserung, die eine sehr interessante Wortwahl darbietet:

Damon Lindelof: Let's just say, theoretically, inside the Island there was this ball of electromagnetic energy. And, let's just say, there was a group of people—we’ll call them the DHARMA Initiative—sort of drilling around, and doing general futzing on the Island, and they accidentally drilled into this hole, and suddenly that entire ball of electromagnetism became untapped, so they built this Swan Station above it, in an effort that it wouldn’t get completely out of control. So, by plugging that hole, you don’t actually do away with all the electromagnetism. It's still there.
Carlton Cuse: It became tapped, actually.
Damon Lindelof: Yes, tapped, that’s right.
Carlton Cuse: Not untapped, but then now it's been re-corked. Let's just call it corked. It's been corked. It's not—it's … its fine. Don’t worry about it.
Damon Lindelof: It's tapped.

Bereits damals verwendete man den Begriff Korken, der ebenfalls von Jacob aufgegriffen wurde.

Jacob: Think of this wine as what you keep calling hell. There's many other names for it too: malevolence, evil, darkness. And here it is, swirling around in the bottle, unable to get out because if it did, it would spread. The cork is this island and it's the only thing keeping the darkness where it belongs.

Geht man nun von all den voran gegangenen Hinweisen aus, wäre Korken als Bezeichnung für die Insel jedoch eher irreführend. Auch wenn die Insel grundsätzlich die Funktion eines Korkens einnimmt und das Böse verschliesst, befindet sich der tatsächliche Verschluss auf der Insel in der Höhle im Bambuswald. Als Desmond diesen Korken entfernte, färbte sich der Boden glühend rot. Die Erde bebte. Tat sich hier tatsächlich die wirkliche Hölle auf? War der Stein ein wirklicher Schlüssel um den Zugang zur Unterwelt zu öffnen?

Cooper: Little hot for heaven isn't it?

Ein Blick auf die Blast Door Map im Swan weist auch noch einen lateinischen Spruch auf: Liberate te ex inferis - rette dich selbst vor der Hölle. War sich Radzinsky bewusst, dass er auf glühenden Kohlen sitzt?

Ob sich nun wirklich die wortwörtliche Hölle unter der Insel befindet? Ich weiss es nicht. Möglich wär' es. Was haltet ihr davon? Kann man das glauben? Ist es zu religiös? Hätte man konkreter darauf eingehen sollen oder wäre das ein fataler Fehler gewesen?

Ich hoffe, das war ein Ansporn für viele, sich auch weiterhin auf die Jagd nach Hinweisen zu begeben, die man kombinieren und im Forum präsentieren kann. Ich freu mich drauf.