Lange bevor LOST an den Start ging, wollte Matthew Fox bereits beweisen, dass er mehr als den Strahlemann aus "Party of Five" zu bieten hat. Und das gelang ihm mit seinem Projekt "HAUNTED" ganz hervorragend. In unserer Review erfahrt ihr alles zum kürzlich erschienenen DVD-Set.



HAUNTED
Review der Matthew Fox-Serie


Die Prämisse

Ein Nahtod-Erlebnis verleiht dem Privatdetektiv Frank Taylor die Fähigkeit, Geister zu sehen und mit ihrer Hilfe Mordfälle zu lösen. Doch nicht alle Figuren aus der Vergangenheit sind ihm wohlgesonnen – Sie verfolgen ihn als ständige Erinnerung an sein kaputtes Familienleben und seinen verlorenen Sohn.

Ähnliche Konzepte kennt man auch aus unzähligen anderen Filmen und Serien, deshalb sollte man nicht vergessen, dass die Mystery-Serie mit Matthew Fox bereits im Jahr 2002 produziert wurde. Sie sollte wohl direkt an den Erfolg von Akte X anknüpfen, doch das erwartete Publikum blieb aus. So wurden die geplanten 13 Episoden vom US-Sender UPN nicht fertiggestellt und wir müssen uns mit nur elf Stück zufrieden geben, die nun synchronisiert auf DVD erschienen sind.

Interessanterweise startete Jahre später eine Serie mit ganz ähnlichem Konzept: „The Ghost Whisperer“ lief immerhin fünf Jahre und wurde erst 2010 eingestellt. War die Zeit einfach noch nicht reif, oder mangelte es an Qualität? Das erfahrt ihr weiter unten.

Das Set selbst besteht aus vier Standard-Hüllen, in denen jeweils eine Disc untergebracht ist. Somit hat der Pappschuber, in dem sie aufbewahrt werden, eine beachtliche Größe. Hat man die Serie erstmal durch, kann man die Haunted-Discs getrost in zwei der Hüllen unterbringen und die übrigen Hüllen z.B. für Homevideo-DVDs benutzen. Es ist unklar, warum man sich nicht ab Werk für diese platzsparende Alternative entschieden hat (dann natürlich mit entsprechenden Hüllen) und stattdessen mehrere Coverarts (allesamt Wendecover, die Box ist also völlig FSK-frei) entworfen hat. Der atmosphärische Schuber mit Matthew Fox und einem geprägten Logo kann äußerlich aber überzeugen.


Bild und Ton

Räumen wir zunächst die technischen Details vom Tisch. Das 16:9-Bild auf der DVD kann durchaus überzeugen und zeigt auch in vielen dunklen Szenen keine Schwäche. Die vorherrschenden monotonen Farben wurden eindeutig schon bei der Produktion als Stilmittel gewählt, worunter die Qualität nicht leidet. Stattdessen tragen sie zur kalten und verlorenen Atmosphäre bei den Geistererscheinungen des Protagonisten bei.

Zu jeder Folge liegen eine deutsche und englische Tonspur vor, wobei sich zumindest erstere laut Verpackung als "5.1 Dolby Digital" ausgibt. Praktisch gibt es aber kaum Unterschiede zur Stereo-Spur der englischen Vertonung. Viele Möglichkeiten zum gezielten Einsatz der hinteren Boxen verstreichen ohne Aha-Erlebnis, und die Sprache dringt größtenteils nur aus dem Center-Lautsprecher. Das macht auch den Wechsel zur Originalversion einfacher (die im Dolby Pro Logic II-Modus fast genauso gut klingt), und wer der englischen Sprache mächtig ist, wird dies ohnehin tun. Während Matthew Fox‘ Synchronstimme überzeugt, kann man das von fast allen anderen Sprechern leider nicht behaupten. Ärgert man sich bei manch anderer Serie, dass die Akzente der Darsteller nicht übernommen werden, werden hier sogar welche hinzuerfunden. Vor allem die wiederkehrenden Nebendarsteller liefern somit in der deutschen Version ein ganz anderes Stimmbild ab – so manche Gastrolle kann da mehr überzeugen. Da Matthew Fox aber eindeutig die meiste Screentime hat, ist das Problem verkraftbar.


Der Inhalt

Anfangs liefert die Serie genau das, was die Prämisse verspricht: Einen privaten Ermittler, der mit seinen persönlichen Problemen zu kämpfen hat und plötzlich auch noch von „äußeren“ Dämonen verfolgt wird. Dabei ist auch völlig unklar, warum der eine Geist auf Frank Taylor (Matthew Fox) losgeht und der andere wiederum nicht – im Laufe der Serie zeigt sich aber, dass Geister, genau wie Menschen, frei entscheiden, was sie in der Zwischenwelt, in der sie feststecken, anfangen wollen. Meistens ergibt sich daraus das klassische Schema „Geist kann erst dann frei sein, wenn sein Mord aufgeklärt wurde“, doch später tauchen auch komplexere Episoden auf, bei denen das Muster nicht mehr klar erkenntlich ist und sich erst im Verlauf der Episode herausstellt, wer auf Franks Seite ist und was von ihm erwartet wird.

Die Konstanten in Franks Leben sind ein Tätowierer, sein ehemaliger Partner und seine Ex-Frau – Und als klinge das noch nicht schlimm genug, gesellt sich zu diesen nun auch noch ein Geist namens Simon, der Frank immer wieder einen Besuch abstattet und ihn über seine Motive im Unklaren lässt – wie auch den Zuschauer. Simons vage Anspielungen auf den Verbleib von Franks verschwundenem Sohn setzen diesem dabei immer mehr zu und geben der Hauptrolle die nötige Tiefe. Matthew Fox holt hierbei wirklich alles aus seiner Figur heraus und verleiht ihr schon in den ersten, schwächeren Episoden mehr Charakter als das Drehbuch vielleicht vermuten ließe. Im Prinzip weiß man nicht viel über die Zeit vor dem Nahtod-Erlebnis der ersten Folge, aber der Charakter ist dennoch greifbar und man fühlt den Schmerz, die Verwirrung und den innerlichen Kampf von Frank Taylor deutlich mit.

Ab der Mitte der Staffel merkt man dann insgesamt einen deutlichen Aufschwung, denn dann harmonieren alle Elemente, vor allem die Nebenrollen und Mystery-Elemente, viel besser miteinander und lassen auch komplexere Handlungsstränge zu. Den stärksten Eindruck hinterlässt wohl jene Folge, in der Frank nach einem Unfall bei einer Familie erwacht, die fernab der Zivilisation ohne Kontakt zur Außenwelt wohnt. Nicht ohne Grund schottet sich diese so ab – und nicht ohne Grund ereignete sich der Unfall. Hier reizt man das Konzept, dass Geister ihre eigenen Ziele verfolgen und sich dabei nicht immer als solche erkenntlich zeigen, voll aus.

Neben solchen Highlights stößt man gegen Ende der Serie noch etwas tiefer in die Handlung rund um Simon und Franks Sohn vor, doch eine Aufklärung bleibt aufgrund der frühen Absetzung leider aus. Bedauerlich, da das Niveau der Serie nach und nach wächst, bis sie schließlich einfach zuende ist. Hätte man die Charaktere weiter ausgeschmückt und die übergreifender Story etwas stärker hervorgehoben, wäre der weitere Verlauf auf jeden Fall interessant zu verfolgen gewesene. Allerdings hätte Matthew Fox dann vielleicht auch keine Zeit für Lost gehabt.

Die Produktionsarchive der Serie wurden mit deren Ende wohl abrupt geschlossen, denn Extras gibt es auf dem Set leider, abgesehen von einem Trailer, keine zu finden.


Unser Fazit

„Haunted“ öffnet sehr langsam die Tür in eine übernatürliche Welt, von der man erst in der zweiten Staffelhälfte so richtig gefesselt wird. Dann nimmt die Serie Fahrt auf und wird durchwegs sehenswert, was hauptsächlich der starken Performance von Matthew Fox zu verdanken ist.

Nachdem man das Wachstum verfolgt hat, drängt sich dann die Frage auf, wie stark die beiden nicht gedrehten Episoden ausgefallen wären, und welche Möglichkeiten erst in einer 22teiligen Staffel aufgetaucht wären. Den Sender UPN interessierte das scheinbar weniger, weshalb die Serie gerade dann getötet wurde, als sie ihren Weg gefunden hatte. Gerüchten zufolge hat der Geist von „Haunted“ die UPN-Büros noch bis zur Schließung des Senders im Jahr 2006 heimgesucht.

Im Endeffekt ist die Serie für einen Preis von knapp über 20 Euro für Myster- und Matthew Fox-Fans eine Überlegung wert. Denn Lost-Fans wird es nicht überraschend, dass es der Hauptdarsteller ist, der diese durchschnittlich klingende Serie zu etwas besonderem macht. Und am Ende kommt schließlich auch etwas Lost-Feeling auf, wenn man seine eigenen Theorien über die offenen Fragen der Serie schmieden kann.




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Vielen Dank an 3L für das Rezensions-Exemplar!