Nach anfänglichen Lieferschwierigkeiten sollte der Soundtrack zu Staffel 3 nun überall erhältlich sein. Lohnt sich der Kauf? Hier unsere Review zur neuen Doppel-CD.


Das Warten auf den dritten LOST-Soundtrack hat sich gelohnt: Michael Giacchino präsentiert uns seinen gewichtigen Beitrag zu den 23 Folgen der dritten Staffel erstmalig als Doppel-CD. Die letzten drei Episoden werden nämlich besonders ausführlich in 37 Tracks auf der zweiten CD wiedergegeben.


CD 1: "The Hydra"

"In With a Kaboom!", so lautet der erste Titel des Doppel-Albums zu LOST-Staffel 3, und tatsächlich wird man damit direkt auf die Insel gezogen und hat die überraschende Eröffnungsszene mit dem Dorf der Anderen wieder vor Augen.

Ganze 30 Songs befinden sich allein auf der ersten CD. Zugegeben sind einige davon weniger herausragend oder besonders, da sie lediglich sehr kleine Variationen zum generellen Theme der Staffel darstellen, dafür erwarten den Zuhörer aber zwischendurch immer wieder wahre Highlights. "Under The Knife" fasziniert über vier Minuten lang mit einem wunderbaren Wechsel aus Spannung, Emotion und Nervenkitzel, was nicht zuletzt Giacchinos großartiger Variation an Instrumenten zu verdanken ist.

Während die ersten beiden Soundtracks fast ausschließlich von Streichinstrumenten dominiert wurden, rücken in der dritten Staffel rhythmische Trommeln weiter in den Vordergrund und tragen in vielen Tracks dazu bei, eine dramatische, teils verstörende Atmosphäre zu erzeugen. Verglichen mit älteren Tracks wie "The Tribes Merge" oder den "Ending Titles" ist es Giacchino dabei gelungen, auch in diese packenden Action-Tracks mehr Melodie zu packen.

Im weiteren Verlauf der ersten CD sticht "Oceanc's Apart" hervor: Imposante Streichmusik unter Klavierbegleitung repräsentieren das Ablegen des Schiffes der Anderen und damit die Rückkehr von Jack und Juliet zur Hauptinsel. "Sweet Expose" erinnert einige Tracks später an einen der verstörendsten Momente der dritten Staffel: Die Musikuntermalung bei Nikki und Paulos Begräbnis stellt den dramatischen Höhepunkt des Soundtracks dar. Anderthalb Minuten danach ist alles wieder vergessen, denn "Heart of Thawyer" lädt mit sanfter Gitarrenmusik zum gemütlichen Herumlungern im Strandcamp ein.

Mit dem Ende der CD verabschiedet sich dann auch der Großteil der Insel-Bevölkerung: Mystery und Dramatik pur liefert "Dharmacide", das Thema, das Bens radikale Ausrottung der Dharma Initiative verstärkt hat.

CD2: "The Looking Glass"

Die zweite CD beginnt mit "Paddle Jumper" und "She's Dynamite" sehr stark, schlägt dann aber sehr sanfte, leise Töne an. Diese sollte man in Ruhe genießen, um die vielen Feinheiten nicht zu verpassen. Denn generell gilt für das Doppel-Album: Wer LOST unterwegs hören möchte, sollte sich aus den 67 Tracks seine Favoriten raussuchen und seine eigenen "Greatest Hits" erstellen. Einige der Tracks sind schlichtweg nicht straßenlärmtauglich und sollten deshalb am besten vorher "aussortiert" und zuhause genossen werden.

Nach acht Tracks zu Charlies Episode begibt sich Giacchino dann "Hinter den Spiegel" und liefert uns 29 Stücke zur Doppelfolge. Aufgrund dieser Ausführlichkeit darf man nicht überrascht sein, wenn sich ab und zu ein "Schonmal-gehört?"-Gefühl breit macht. Auch fällt hier die Zuordnung zu den einzelnen Szenen schwerer als bei der ersten CD.

Genießer können bei diesem umfangreichen Mix aber direkt nostalgisch werden: Viele bekannte Melodien aus den ersten beiden Staffeln melden sich noch stärker als zuvor zurück. Den Szenen entsprechend halten sich diese Erinnerungen aber leider meistens kurz. Längere Stücke wie "Torture Me Not" oder "Early Mourning Mystery" sind überwiegend ruhig aber nicht weniger hörenswert.

"Looking Glass Half Full", "Jack FM" und "Naomi Phone Home" stehen schließlich für das Wechselbad der Gefühle, das das Ende der dritten Staffel auszeichnet. Kommt Hoffnung auf Rettung auf verfällt die Musik Sekunden später wieder in erdrückende Spannung, nur um letzten Endes einen befreienden Ausklang zu finden, der "Parting Words" (das Ablegen des Floßes) aus dem ersten Soundtrack aufgreift.

Dann folgt natürlich noch "Flash Forward Flashback", das überraschend ruhig ist und in Anbetracht der grandiosen Szene doch etwas unspektakulär wirkt. Hier fällt auf, dass Michael Giacchino in dieser Szene einen Schritt zurückgewichen ist und Evangeline Lilly und Matthew Fox den Vortritt gelassen hat, die mit ihrer starken Darbietung doch alles aus den letzten Minuten der dritten Staffel herausgeholt haben.

Unser Fazit

Wer Gefallen an den ersten beiden Soundtracks gefunden hat, der kann bedenkenlos zugreifen und seine Sammlung um diese zwei CDs erweitern. Die zweite CD kann als Bonus für alle, die wirklich jede Minute von Giacchinos Musik genießen wollen, angesehen werden. Will man aber nur die Lost-Stücke mit hohem Wiedererkennungswert hören, so findet man auch dafür genug Material unter den 67 Tracks. Der Oscar-nominierte Giacchino versorgt uns diesmal nämlich mit rund 2,5 Stunden exzellenter Score-Musik.

Auch optisch macht die CD im Fan-Regal viel her: Das Booklet erzeugt angenehmes Insel-Feeling mit Aufnahmen von Hawaii und Promotion-Bildern aus Staffel 3, und die CDs selbst stellen jeweils ein großes Dharma-Logo dar (Hydra/Looking Glass).



Vielen Dank an Colosseum Records für die Bereitstellung des Review-Exemplars!