Dass Evangeline Lilly mit der Überraschung, über Nacht ein Star zu sein, anfangs nicht klar kam, wissen wir bereits. In einem ausführlichen Interview mit TheStar.com schilderte sie nun ihre Gedanken zu dieser Zeit. Außerdem spricht sie über Zukunftspläne, Familie und Feiertage.


Waikiki, Hawaii – Wenn du eine unbekannte Schauspielerin wärst und dir plötzlich 60.000 Dollar dafür geboten würden, damit du nach Hawaii ziehst und Star in einer Fernsehserie wirst, deren Bestimmung es war ein Hit zu werden, dann würde ein Traum für dich in Erfüllung gehen, oder?

Nicht wenn du Evangeline Lilly heißt. Die kanadische Schauspielerin, die bei Lost die schöne Gefangene auf der Flucht, verabscheut es berühmt zu sein und zuerst hasste sie Hawaii, das so anders war als ihre Heimat.

„Ich musste meinen Mund halten, weil alle immer gesagt haben, wie glücklich ich mich schätzen könne in so einem Paradies zu leben, und ich wollte einfach nur sagen: ‚Ich hasse es’“, erinnert sie sich. Erst als sie gelernt hatte zu surfen und sich in ihren Co-Star, den Engländer Dominic Monaghan verliebt hatte, fing sie an das Leben auf der Insel zu genießen.


„Es war eine große kulturelle Veränderung für mich”, sagt die 27ährige Lilly, die jetzt im dritten Jahr bei Lost ist, das sich gerade bis Februar in der Pause befindet.

„Ich komme aus Kanada. Dort ist das Militär nicht wichtig, die Leute sind multikulturell und offen, Frauen haben die gleichen Rechte und es gibt vier Jahreszeiten, und die Leute schauen dir in die Augen und grüßen dich, wenn du die Straße runterläufst.“

“Als ich nach Hawaii gekommen bin, traf ich auf diese Welt wo man entweder auf das Meer oder eine Militärbasis stößt, wenn man zu weit fährt, und wo die Frauen noch nicht die Rechte haben, die sie woanders auf der Welt haben, wo es keine Jahreszeiten gibt, keine Veränderung im Wetter, es ist immer feucht und klebrig, und ich hatte keine Freunde und keine Familie.“

„Dann lernte ich zu surfen und ich lernte es zu lieben und zu genießen und mein Zuhause nicht zu sehr zu vermissen. Es ist eine sehr kleine Insel, also ist es sehr befreiend ins Meer zu gehen, man fühlt sich zufriedener. Es ist sehr heilsam.”


Es hilft, dass der 30jährige Monaghan, der den drogenabhängigen Rockmusiker Charlie spielt, auch auf der Insel ist. Während der Sommerpause besuchte das Paar Europa und Monaghans Familie in Manchester. Sie reisten durch England, Schottland, Frankreich und Spanien.

Lilly, die einen verspielten Charme und einen lebendigen Humor besitzt, gab während einer kurzen Drehpause von Lost Interviews im Royal Hawaiian Hotel am berühmten Waikiki-Strand. Sie verbringt 9 Monate im Jahr auf der Insel und hat dort ein Haus gemietet.

Obwohl sie mit ihrem Privatleben zufrieden ist, ist sich Lilly, eine frühere Missionarin, die aus einer sehr religiösen Familie stammt, nicht sicher wie es mit ihrer Zukunft als Schauspielerin weitergeht.

”Berühmt zu sein macht mir sehr zu schaffen. Ich mag es nicht und wollte es nie. Es ist ein hässliches Wort. Der Druck, die wenige Privatsphäre, man ist nie anonym“, sagt sie. „Ich bin eine sehr zurückgezogene Person und es ist so anstrengend, dass mich die Leute überall, wo ich hingehe kennen – oder glauben mich zu kennen. Ich beschäftige mich sehr damit und ich weiß noch nicht ob ich es annehmen, ignorieren oder ablehnen soll. Wenn ich mich endlich entschieden habe, werde ich mich auch entscheiden können, wie es mit meiner Kariere weiter geht.“

„Wenn ich schauspielern könnte, den Lohn bekommen würde, den ich gerade bekomme und anonym sein könnte, würde ich den Beruf nie aufgeben, aber wenn ich meinen Weg nach Lost gehen muss, werde ich wohl Schriftstellerin werden. Das Schreiben hatte schon immer einen großen Einfluss auf mein Leben, schon seit ich ein kleines Mädchen war.“


Nach ihrer Geburt in Fort Saskatchewan, Alta, zog Lilly als kleines Kind mit ihren Eltern nach Kelowna, und besuchte später die University of British Columbia in Vancouver, wo sie International Relations studierte. Sie widmete sich der Philantroposie und Projekten für Kinder. Sie gründete und verwaltete ein Komitee für Weltentwicklung und Menschenrechte während ihrer Collegezeit.

“Ich habe großartige Eltern“, sagte sie. „Wir hatten nie viel Geld und es war uns egal. Ich habe zwei Schwestern und meine Eltern brachten uns bei, dass Liebe und Familie wichtiger sind alle materielle Güter.“

Ironischerweise war es Lillys Angst davor aufzufallen, die sie zur Schauspielerei brachten.

“Ich versuchte so verzweifelt, nicht beachtet zu werden und nicht aufzufallen, dass ich fünf Jahre lang ein mittelmäßiger Mensch war“, lachte sie. „Dann hab ich mich endlich aufgerafft und mich dazu entschieden, herauszustechen – also ging ich zu Castings. Ich habe ungefähr 25 Castings gemacht und zwei Monate danach fing ich an auf Hawaii Lost zu drehen. Es war alles eine Art großer Unfall.“


Lilly schwört nicht zu wissen, was mit ihrem Charakter passieren wird, genauso wenig wie sie weiß, wie es in ihrem Leben weitergehen wird und ob sie weiterhin schauspielern will, wenn die Serie zu Ende geht. Im Moment freut sie sich auf die kälteren Temperaturen, wenn sie über Weihnachten nach British Columbia geht.

”Je länger ich weg bin, desto öfter gehe ich nach Hause“, sagt sie lachend. „Ich brauche meinen Fix. Weihnachten ist ein großes Fest in meiner Familie und ich muss nach Hause und den Schnee genießen.“

Dieses Jahr wird sie glücklich nach Hawaii zurückkehren, wenn die Ferien zu Ende sind.
„Ich genieße mein Leben hier immer mehr und ich glaube nicht, dass ich so schnell weggehen will“, sagte sie. „Irgendwie ist mir der Ort zu Herzen gewachsen.“


Interview: www.TheStar.com
Übersetzung: Snuffkin